Joanna Piotrowska

Joanna Piotrowska, I Frowst, 2013–14, Courtesy Joanna Piotrowska; Galeria Dawid Radziszewski, Warsaw; Madragoa, Lisbon; Southard Reid, London

Joanna Piotrowska erforscht in ihrer Kunst die vielschichtigen Kompositionen von Selbstverständnis und betrachtet dabei insbesondere die Spannungen zwischen individuellen und kollektiven Dynamiken. Die Porträtserie Frowst (2013–14) zeigt Paarkonstellationen von Familienmitgliedern, deren Ausdruck und Haltung ein Gefühl von Unbehagen verkörpern, das einen Hinweis auf die unsichtbaren Ordnungsprinzipien liefert, die diese intimen Beziehungen strukturieren. Das Konzept der Familienaufstellung nach Bert Hellinger ist hier ein wichtiger Einfluss. In der rätselhaften Atmosphäre der Fotografien vermittelt sich ein Verständnis von Familie als einem komplexen, konflikthaften Gebilde, als Quelle von Feindseligkeiten wie von Geborgenheit. Aus dem visuellen Vokabular ihrer filmischen Arbeit Untitled (2016) entsteht eine Art nonverbales körperliches Alphabet: Angriffs- und Schutzhaltungen kollabieren ineinander, subjektive Kampfgebärden münden in größere Konfliktnarrative.

Joanna Piotrowska setzt sich in ihren Arbeiten mit der Lage der Frau, der Kernfamilie oder der Situation im postsowjetischen Polen auseinander; sie erforscht symbolische und unsichtbare Machtstrukturen, die individuelle Verhaltensweisen einschränken. Die Künstlerin stellt heraus, wie Kultur, Politik und Geschichte sich auf das private und emotionale Leben des einzelnen Menschen auswirken. Der Körper ist ein wichtiges Instrument in ihrem Versuch, diese Systeme sichtbar zu machen, er agiert als emanzipatorisches Interface – als Schnittstelle, in der die Anziehungskräfte, die auf das Individuum einwirken, entschlüsselt und vermittelt werden.

—João Laia

    Ausstellungsort:
  • KW Institute for Contemporary Art

WERKLISTE

Auswahl aus der Serie Frowst, 2013–14
Silbergelatineabzüge

Untitled, 2014
Silbergelatineabzug

Untitled, 2016
16mm-Film, Farbe, ohne Ton, Loop, 3′43′′
Edition 5 + 1 AP

Alle Arbeiten Courtesy Joanna Piotrowska; Galeria Dawid Radziszewski, Warsaw; Madragoa, Lisbon; Southard Reid, London
Produziert von Berlin Biennale for Contemporary Art
Mit Unterstützung von Adam Mickiewicz Institute